Wer eine Evakuierung planen will, legt drei Dinge vorher fest: Wege aus dem Wohnort, Treffpunkte für alle im Haushalt und eine Regel für den Fall, dass niemand telefonieren kann. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) nennt als Anlässe für eine Evakuierung zum Beispiel einen Brand, ein Gasleck oder gefundene Weltkriegsmunition.
Wie weitreichend Verbindungen wegbrechen können, zeigte das Hochwasser im Juli 2021. Laut Deutscher Telekom waren danach Betriebsstellen überflutet, Leitungen zerrissen und Mobilfunkanlagen zerstört. Im Eifelort Gemünd waren nach Angaben der Telekom auch Straßen und die Netze für Strom, Gas und Wasser zerstört.
Eines gilt bei jeder Planung: Warnen die Behörden oder ordnen sie etwas an, folgst du ihren Anweisungen. Dein eigener Plan hilft dir, diese Anweisungen schnell umzusetzen, er ersetzt sie nicht.
Aktualisiert : Quellen und Empfehlungen geprüft.
Das Wichtigste in Kürze
- Behörden gehen vor: Laut BBK-Ratgeber achtest du auf Warnhinweise und folgst den Empfehlungen und Anweisungen der Behörden. Dein Plan kommt danach.
- Gewarnt wird laut BBK vor allem über Warn-Apps wie NINA und über Radio, in besonderen Gefahrenlagen zusätzlich über Sirenen und Handy-Warnung.
- Bei einem Brand, Gasleck oder Munitionsfund bleibt laut BBK wenig Zeit zum Packen. Das BBK rät deshalb, vorher zu planen und das Notgepäck bereitzuhalten.
- Fällt der Mobilfunk aus, hilft laut BBK-Ratgeber eine Liste wichtiger Telefonnummern auf Papier und ein Radio mit Batterien oder Kurbel.
- Drei Fluchtrouten, drei Treffpunkte und eine Kontaktperson außerhalb der Region sind eine Empfehlung der Redaktion, keine amtliche Vorgabe.
Evakuierungsplan: Er steht auf Papier und alle im Haushalt kennen ihn
Ein Evakuierungsplan ist die schriftlich festgelegte Antwort auf die Frage: Was tun wir, wenn wir sofort weg müssen? Er enthält Fluchtrouten, Treffpunkte für alle Haushaltsmitglieder und Absprachen für den Fall ohne Handynetz. Alle Beteiligten kennen ihn, bevor der Ernstfall eintritt.
Das BBK rät auf seiner Seite zur Hochwasservorsorge, sich früh Gedanken über die „Rollenverteilung“ zu machen: Wer macht was im Notfall? Ein Plan, den nur eine Person im Kopf hat, beantwortet diese Frage nicht.
Behörden haben Vorrang: Ihre Warnung und Anweisung gehen deinem Plan vor
In einer großen Gefahrenlage geben die zuständigen Behörden Warnungen, Empfehlungen und gegebenenfalls Anweisungen, etwa zur Evakuierung oder zu Absperrungen. Der BBK-Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ (Stand 11/2025) sagt dazu: auf Warnhinweise achten und den Empfehlungen sowie möglichen Anweisungen folgen. Für Hochwasser schreibt das BBK auf seiner Seite „Was tun bei Hochwasser?“: Anweisungen und Absperrungen der Einsatzkräfte beachten.
So erreichen dich Warnungen laut BBK-Ratgeber:
- Warn-App und Radio: Über sie kommen die meisten Informationen. Die Warn-App NINA warnt nur für Orte, die du abonniert hast, oder für deinen Standort, wenn du das aktivierst. Mehr dazu im Beitrag NINA-App und Sirenen.
- Sirenen: 1 Minute auf- und abschwellender Heulton heißt Gefahr, informiere dich. 1 Minute Dauerton heißt Entwarnung.
- Handy-Warnung: In besonderen Gefahrenlagen warnen die Behörden zusätzlich direkt auf dem Handy.
- Radio ohne Netz: Wenn Mobilfunk und Internet ausfallen, fallen auch Warn-Apps aus. Radiosender funktionieren dann noch, Auto-, Kurbel- und Batterieradios auch bei Stromausfall.
Nennen die Behörden einen Sammelpunkt oder eine Route, nimmst du diese, auch wenn dein Plan etwas anderes vorsieht. Deine eigenen Treffpunkte brauchst du dann vor allem, um die Familie danach wieder zusammenzubringen.
Evakuierung planen: Die Zeit, die dir bleibt, bestimmt den Ablauf
Nicht jede Evakuierung ist gleich. Für die Planung lassen sich drei Fälle unterscheiden. Die Einteilung ist eine Arbeitshilfe der Redaktion, keine amtliche Kategorie:
- Sofort raus: Feuer im Haus, Gasaustritt, unmittelbare Gefahr. Bei einem Brand gilt laut BBK-Ratgeber: Personen im Haushalt warnen, Gebäude verlassen, niemals durch verrauchte Räume oder Treppenhäuser flüchten (sind die Fluchtwege verraucht, lautstark am Fenster bemerkbar machen), Feuerwehr unter 112 rufen, Nachbarschaft warnen. Treffpunkt: in Sichtweite des Hauses, aber mit Abstand, etwa an der Straßenecke oder beim Nachbarhaus.
- Kurzfristige Evakuierung: Behördliche Anordnung, etwa wegen Hochwasser oder eines Munitionsfunds. Je nach Vorwarnung bleibt Zeit für Notfallrucksack, Dokumente, Haustier. Treffpunkt: ein festgelegter Ort außerhalb der Gefahrenzone.
- Längerfristige Evakuierung: Die Behörden ordnen eine großräumige Evakuierung an. Anlass ist ihre Anordnung, nicht deine eigene Einschätzung der Lage. Ziel ist eine Unterkunft außerhalb, zum Beispiel bei Verwandten.
Für jeden Fall sollte feststehen, wer was mitnimmt und wo ihr euch trefft.
Fluchtrouten: Ausweichwege helfen, wenn die Hauptstraße gesperrt ist
Wer nur den Weg über die Hauptstraße oder die Autobahn kennt, steht ohne Alternative da, wenn diese gesperrt, überflutet oder verstopft ist. Die Ausweichroute solltest du deshalb schon vorher kennen. Nach dem Hochwasser im Juli 2021 berichtete die Telekom von Gebieten, in denen die Wassermassen ganze Straßenzüge und Brücken zerstört hatten.
Wir raten, für jeden Evakuierungsweg drei Routen festzulegen:
- Route A: Normalweg, die schnellste Verbindung zum Ziel
- Route B: Ausweichroute über Nebenstraßen oder in eine andere Richtung
- Route C: Notroute zu Fuß oder per Fahrrad, falls kein Fahrzeug mehr durchkommt
Fahr oder geh alle Routen vorab ab, solange nichts passiert ist. Merk dir Engstellen und Brücken und überleg, wie du bei einer Sperrung ausweichst. Bei Hochwasser gilt laut BBK: Überflutete oder teilüberflutete Straßen dürfen nicht befahren werden.
Halte die Routen zusätzlich auf einer Papierkarte fest, denn ein Handy kann leer, kaputt oder ohne Netz sein. Der BBK-Ratgeber weist außerdem darauf hin, dass sich viele Online-Karten herunterladen und offline nutzen lassen.
Treffpunkte: Drei Orte in unterschiedlicher Entfernung geben euch Ausweichmöglichkeiten
Der erste Treffpunkt kann unerreichbar sein, etwa weil er selbst im Gefahrengebiet liegt. Deshalb raten wir zu mehreren Treffpunkten.
Lege drei Treffpunkte fest (Einteilung der Redaktion):
| Treffpunkt | Lage | Wann nutzen | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Nah | in Sichtweite des Hauses | Feuer, Sofortevakuierung | Nachbarhaus, Parkplatz, Ecke der Straße |
| Mittel | im eigenen Viertel oder Ort, außerhalb der Gefahrenzone | Kurzfristige Evakuierung | Schule, Kirche, öffentliches Gebäude außerhalb der Gefahrenzone |
| Weit | außerhalb der Region | Großflächige Evakuierung | Haus von Verwandten, bestimmte Stadt außerhalb der Region |
Wichtig: Alle im Haushalt kennen alle drei Treffpunkte, Kinder so weit, wie es ihrem Alter entspricht. Geht den Weg zum nahen Treffpunkt einmal gemeinsam ab. Erkundige dich außerdem, wo du dich im Notfall vor Ort informieren kannst: Der BBK-Ratgeber nennt als Beispiele Rathäuser oder Notfalltreffpunkte.
Ohne Handynetz: Feste Absprachen ersetzen den Anruf
Mobilfunk und Internet können laut BBK-Ratgeber aus verschiedenen Gründen ausfallen, etwa durch einen Stromausfall, einen Sturm, einen Cyberangriff oder Sabotage. Dann kannst du weder telefonieren noch Nachrichten senden. Wer seine Familie nur per Messenger erreichen will, braucht deshalb Absprachen, die ohne Netz funktionieren.
Der Kommunikationsplan für den Ernstfall:
- Feste Treffzeit (Empfehlung der Redaktion): zum Beispiel „Wenn wir uns nicht erreichen, treffen wir uns um 18:00 Uhr am mittleren Treffpunkt.“ Die Regel gilt, ohne dass ihr euch vorher erreichen müsst.
- Kontaktperson außerhalb der Region (Empfehlung der Redaktion): etwa Verwandte in einer anderen Stadt. Wer sich vor Ort nicht erreicht, meldet sich dort, und diese Person gibt die Nachrichten weiter.
- Kontaktliste auf Papier: Eine ausgedruckte oder handschriftliche Liste mit wichtigen Nummern hilft laut BBK-Ratgeber, wenn du nicht an deine digital gespeicherten Kontakte kommst. Leg je eine Liste in den Rucksack, ins Auto und zu jedem Familienmitglied.
- Nachbarschaft: Das BBK rät auf seiner Seite zur Hochwasservorsorge, sich zu überlegen, wie man sich mit Nachbarn abspricht, wenn Telefon und Mobilfunk ausfallen, und Not- und Gefahrenzeichen zu vereinbaren.
- Funkgeräte (Ergänzung): Handfunkgeräte nach dem Standard PMR446 funken laut Allgemeinzuteilung der Bundesnetzagentur (Vfg. 91/2025) direkt von Gerät zu Gerät und mit geringer Reichweite. Sie helfen nur, wenn alle ein Gerät haben, den Umgang geübt und vorher einen Kanal festgelegt haben.
Notgepäck: Es steht fertig gepackt bereit, bevor es losgeht
Muss es schnell gehen, bleibt laut BBK wenig Zeit zum Packen, und unter Stress an alles zu denken, ist schwer. Das BBK rät deshalb, vorher zu planen. Dein Notfallrucksack steht also fertig gepackt bereit, nicht halb gepackt und nicht verteilt auf mehrere Schränke. Was hineingehört, steht in unserer Checkliste nach der BBK-Liste.
Für die Evakuierung kommt dazu:
- Schlüssel, Handy, Geldbörse: Im Beispiel des BBK-Ratgebers hat die Familie diese Dinge griffbereit, als sie nachts das Haus verlassen muss. Leg den Autoschlüssel an einen festen Platz.
- Dokumentenmappe: Laut BBK liegt sie griffbereit an einem Ort, den alle Familienmitglieder kennen. Der BBK-Ratgeber empfiehlt einen feuerfesten oder wasserdichten Behälter.
- Bargeld in kleinen Scheinen: Bei einem Stromausfall funktionieren laut BBK auch die Geldautomaten nicht mehr.
- Der ausgedruckte Evakuierungsplan mit allen Routen und Treffpunkten
Auto: Tank, Karte und Vorrat sind vor dem Ernstfall erledigt
Wer erst im Ernstfall tanken will, steht womöglich in einer Schlange oder vor einer geschlossenen Tankstelle. Bereite das Auto deshalb vorher vor:
- Tank nicht unter die Hälfte fallen lassen: eine Faustregel der Redaktion, keine amtliche Vorgabe.
- Reservekanister: Laut ADAC sind in Deutschland bis 60 Liter je Kanister und 240 Liter je Pkw erlaubt, der Kanister braucht eine UN- oder RKK-Zulassung. Aus Sicherheitsgründen rät der ADAC, nicht mehr als zehn Liter mitzunehmen und den Kanister im Kofferraum mit Spanngurten zu sichern.
- Bei Hochwasser: Das BBK rät, das Auto rechtzeitig aus gefährdeten Garagen oder von Parkplätzen zu fahren, und warnt, dass Tiefgaragen bei Hochwassergefahr zu tödlichen Fallen werden können.
- Pannenwerkzeug und Reifenreparaturset
- Papierkarte im Handschuhfach (alle drei Routen eingezeichnet)
- Wasser und haltbare Snacks im Kofferraum, auch für lange Staus
Kinder, Hilfebedürftige, Haustiere: Vorher steht fest, wer sich um wen kümmert
Diese drei Gruppen brauchen eine eigene Zeile im Evakuierungsplan:
Kinder: Jedes Kind kennt den nahen Treffpunkt und die Nummer der Kontaktperson, so weit es seinem Alter entspricht, oder trägt sie auf einem Kärtchen bei sich. Das BBK schlägt für Kinder einen Brustbeutel oder eine SOS-Kapsel mit Namen, Geburtsdatum und Anschrift vor. Bei Hochwasser rät das BBK, Kinder vor Eintritt der Gefahr aus dem Überschwemmungsgebiet in Sicherheit zu bringen.
Ältere, kranke oder mobilitätseingeschränkte Menschen: Das BBK rät, sich früh zu überlegen, ob man hilfebedürftige Personen rechtzeitig aus der Gefahrenzone bringen kann und wohin. Wer Fluchtwege selbst nicht nutzen kann, überlegt laut BBK-Ratgeber, wer ihn wie unterstützen kann. Legt fest, wer wen abholt, bevor etwas passiert.
Haustiere: Auch die Evakuierung von Haustieren gehört laut BBK zu den Punkten, die du früh bedenken solltest. Halte die Transportbox zugänglich, leg Futter in den Vorrat und notiere Impfpass und Chipnummer. Kläre vorab, wo dein Tier unterkommen kann, zum Beispiel bei den Verwandten am weiten Treffpunkt, denn ob eine Notunterkunft Tiere aufnimmt, weißt du vorher nicht.
Plan aufschreiben: Eine DIN-A4-Seite reicht, wenn alle sie kennen
Ein Evakuierungsplan, der nur gedacht, aber nie aufgeschrieben wurde, hilft im Ernstfall wenig. Schreib ihn auf, eine DIN-A4-Seite reicht:
- Drei Fluchtrouten mit Skizze
- Drei Treffpunkte mit Adresse und wann ihr sie nutzt
- Kontaktperson außerhalb der Region mit Nummer
- Funkkanal, falls ihr Funkgeräte nutzt
- Treffzeit-Regel
- Zuständigkeiten (wer holt wen, wer nimmt das Haustier)
- Anlaufstellen der Gemeinde, etwa Rathaus oder Notfalltreffpunkt
Laminiere ihn. Ein Exemplar kommt ins Auto, eines in den Notfallrucksack, eines an einen festen Platz zu Hause. Wir raten, den Plan einmal im Jahr kurz durchzusprechen. Ändert sich etwas (neue Adresse, anderes Auto, Kinder älter), wird er aktualisiert. Eine Vorlage mit weiteren Bausteinen findest du im Beitrag Familien-Notfallplan erstellen.
Wer seinen Evakuierungsplan in den größeren Rahmen der Vorsorge einbetten will, findet in unserem Artikel Als Zivilist den Kriegsfall überleben die Übersicht. Evakuierung und Schutz im Haus sind zwei verschiedene Antworten auf zwei verschiedene Lagen. Wie du einen Schutzplatz vorbereitest, steht im Beitrag Schutzraum im Keller. Bei Hochwasser gilt laut BBK-Ratgeber allerdings: auf keinen Fall in den Keller, sondern in höher gelegene Bereiche oder Stockwerke.
Wir halten Ausweichmöglichkeiten für wichtiger als einen perfekten Plan. Drei Routen, drei Treffpunkte und eine Kontaktperson außerhalb der Region sind keine amtliche Vorgabe, aber sie geben dir eine Option, wenn Route A gesperrt oder Treffpunkt 1 nicht erreichbar ist. Entscheidend bleibt: Sobald die Behörden warnen oder etwas anordnen, setzt du ihre Anweisung um und nutzt deinen Plan nur dort, wo sie Spielraum lässt.
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