Erste Hilfe im Ernstfall beginnt in der Krise genauso wie im Alltag: Du schützt dich selbst, wählst den Notruf 112 und hilfst, bis Profis übernehmen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) weist in seinem Ratgeber darauf hin, dass in einer Krise oder Katastrophe Rettungsdienst, Krankenhäuser und Apotheken vorübergehend nicht verfügbar sein können. Dann kann es länger dauern, bis professionelle Hilfe bei dir ist.
Grundlage sind die Hinweise des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und die Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC) für Laien. Der Beitrag ergänzt unseren Überblick Kriegsfall überleben: Vorbereitung für Zivilisten.
Aktualisiert : Quellen und Empfehlungen geprüft.
Das Wichtigste in Kürze
- Die ERC-Leitlinien 2025 nennen drei Grundprinzipien: Sicherheit der Umgebung prüfen, so schnell wie möglich 112 anrufen, nur Ausrüstung oder Medikamente verwenden, in deren Gebrauch du geschult bist.
- Manche Leitstellen unter 112 leiten dich laut DRK telefonisch an. Funktionieren 110 und 112 nicht, gehst du laut BBK, wenn möglich, zur nächsten Polizeiwache oder ins Krankenhaus.
- Starke Blutungen stillst du laut DRK mit Druck auf die Wunde und Druckverband. Ein Tourniquet sehen die ERC-Leitlinien nur vor, wenn Druck eine lebensbedrohliche Blutung an Arm oder Bein nicht stoppt.
- Verbrennungen kühlst du laut DRK mindestens 20 Minuten mit kühlem oder kaltem, nicht eisigem Wasser.
- Ein Erste-Hilfe-Kurs beim DRK dauert laut Kursübersicht einen Tag (9 Unterrichtseinheiten). Kurse in Erster Hilfe mit Selbstschutzinhalten bieten Hilfsorganisationen im Auftrag des BBK an (Stand September 2026).
Erste Hilfe im Ernstfall: Laut ERC wählst du 112 so schnell wie möglich
Auch wenn du fürchtest, dass kein Rettungswagen schnell kommt: Ruf 112 an. Laut DRK fragt das geschulte Personal der Leitstelle alles Wichtige gezielt ab, und manche Leitstellen leiten Ersthelfende telefonisch an, etwa bei der Wiederbelebung. Du nennst den Notfallort so genau wie möglich, beantwortest die Rückfragen und legst erst auf, wenn die Leitstelle das Gespräch beendet.
Funktionieren die Notrufnummern 110 und 112 nicht mehr, gehst du laut BBK-Ratgeber bei einem Notfall, wenn möglich, zur nächsten Polizeiwache oder ins Krankenhaus. Diese Anlaufstellen gehören in deinen Familien-Notfallplan.
Reihenfolge am Notfallort: Eigenschutz, Notruf, lebensrettende Maßnahmen
Die Kurzfassung der ERC-Leitlinien 2025 (deutsche Fassung in der Fachzeitschrift Notfall + Rettungsmedizin) stellt die Prüfung der Sicherheit der Umgebung an den Anfang, danach den Notruf. Gefahren am Notfallort sind laut DRK zum Beispiel heranrasende Autos oder ein sich ausbreitendes Feuer. Danach prüfst du Bewusstsein und Atmung.
Bewusstlos und keine normale Atmung: Prüfen, Rufen, Drücken
Reagiert jemand nicht auf Ansprache und Anfassen und atmet nicht normal, liegt laut DRK ein Kreislaufstillstand vor. Die folgenden Schritte gelten für Erwachsene. Für Säuglinge und Kinder gelten laut DRK besondere Maßnahmen zur Wiederbelebung, die du zum Beispiel im DRK-Kurs „Erste Hilfe am Kind“ lernst.
Schnappatmung ist keine normale Atmung. Laut Erste-Hilfe-Handbuch des ASB kann ein Betroffener in den ersten Minuten nach einem Kreislaufstillstand vereinzelte langsame oder kurze, geräuschvolle Atemzüge machen. Diese Schnappatmung wertest du nicht als normale Atmung. Die ERC-Leitlinien 2025 sagen: Bei agonalem Röcheln oder Schnappen, und auch im Zweifel, beginnst du immer mit der Herzdruckmassage. Prüfe die Atmung nicht länger als zehn Sekunden (ASB). Dann gilt:
- Prüfen: Ansprechen, vorsichtig an den Schultern rütteln, Kopf nach hinten beugen und Mund öffnen, auf Atemgeräusche hören und Brustkorbbewegungen suchen.
- Rufen: Andere Personen den Notruf 112 wählen lassen. Bist du allein, rufst du selbst an.
- Drücken: Handballen auf die Mitte des Brustkorbs, 100 bis 120 Mal pro Minute, etwa 5 bis 6 cm tief, bis der Rettungsdienst eintrifft.
- Defibrillator: Laut ERC-Leitlinien 2025 schließt du einen automatisierten externen Defibrillator (AED) an, sobald einer verfügbar ist, und befolgst seine Anweisungen. Eine zweite Person holt den AED nur, wenn er innerhalb von höchstens einer Minute erreichbar ist; die Herzdruckmassage geht vor. Sind mehrere Helfende da, läuft die Herzdruckmassage weiter, während die Elektroden aufgeklebt werden.
Die ERC-Leitlinien betonen: Beginne mit der Wiederbelebung, ohne dir Sorgen zu machen, dass du die Person versehentlich verletzt. Es ist wichtiger, ihr Leben zu retten.
Bewusstlos, aber normale Atmung: stabile Seitenlage
Atmet eine bewusstlose Person normal, bringst du sie laut DRK in die stabile Seitenlage. Erbrochenes und Blut können abfließen, die Atemwege bleiben frei. Die ERC-Leitlinien nennen zwei Ausnahmen, in denen du die Person nicht in die Seitenlage bringst:
- Schnappatmung: Sie ist keine normale Atmung. Du beginnst sofort mit Prüfen, Rufen, Drücken wie oben.
- Trauma: Nach einem Sturz aus großer Höhe, einem Verkehrsunfall oder wenn jemand von einem schweren Gegenstand erdrückt wurde, vermutest du laut ERC eine Verletzung der Halswirbelsäule. Bewege den Hals so wenig wie möglich. Liegt die Person nicht ansprechbar auf dem Rücken, kniest du dich hinter ihren Kopf und hältst Kopf und Hals fest. Du prüfst laufend die Atmung und folgst den Anweisungen der Leitstelle. Atmet die Person nicht normal, beginnst du mit der Herzdruckmassage.
Starke Blutungen: Laut DRK stoppt Druck auf die Wunde fast jede Blutung
Laut DRK lässt sich fast jede Blutung aus einer Wunde durch genügend starken Druck von außen auf die Blutungsquelle stillen. Bei Erwachsenen bedeutet ein Blutverlust von etwa 1 Liter bereits Lebensgefahr, bei Kindern schon erheblich früher.
Was du laut DRK tust:
- Hinlegen: Die Person liegt, den verletzten Arm oder das Bein wenn möglich hochhalten.
- Drücken: Kompresse oder sauberes Tuch fest auf die Wunde pressen.
- Druckverband, wenn die Lage der Wunde es zulässt, sonst weiter drücken, bis der Rettungsdienst übernimmt.
- Schock vorbeugen: Zudecken, betreuen, beruhigen. Notruf 112.
| Maßnahme | Wann | Quelle |
|---|---|---|
| Direkter Druck auf die Wunde | Immer zuerst bei starker Blutung | DRK, ERC 2025 |
| Druckverband | Sobald die Blutung unter Kontrolle ist | DRK, ERC 2025 |
| Weiter drücken | Kopf und Rumpf, wenn kein Druckverband möglich ist | DRK |
| Tourniquet | Lebensbedrohliche Blutung an Arm oder Bein, die Druck nicht stillt; nur mit Schulung | ERC 2025 |
Druckverband nach BBK: Kompresse auflegen, mit einer Mullbinde zwei- bis dreimal umwickeln, ein Druckpolster (zum Beispiel ein Päckchen Mullbinden) auf die Wunde legen, mehrmals umwickeln, mit Pflaster befestigen.
Tourniquet: Laut ERC-Leitlinien 2025 muss bei lebensbedrohlichen Blutungen an Extremitäten, die durch direkten manuellen Druck nicht zu stillen sind, so schnell wie möglich ein Tourniquet angelegt und die Anlagezeit notiert werden. Zugleich gilt: nur Ausrüstung verwenden, in deren Gebrauch du geschult bist. Ob ein Kurs das Anlegen eines Tourniquets übt, fragst du vorher beim Anbieter nach. Ohne Übung bleibt der feste Druck auf die Wunde deine Maßnahme.
Schock, Unterkühlung, Verbrennungen: Wärme halten und richtig kühlen
Schock erkennen
Schockzeichen sind laut DRK Unruhe und Angst, blasse, kalte und oft schweißnasse Haut, Frieren und Zittern, später Teilnahmslosigkeit bis zur Bewusstlosigkeit. Du wählst 112. Ist die Person bei Bewusstsein, legst du sie hin, lagerst die Beine erhöht und deckst sie zu. Ist eine Verletzung der Wirbelsäule, des Kopfes, des Brust- oder Bauchraums, des Beckens oder der Beine offensichtlich oder anzunehmen, bewegst du die Person laut ASB-Handbuch nicht unnötig. Die Beine hebst du dann nicht an, denn dafür müsstest du sie bewegen.
Unterkühlung vorbeugen
Laut ERC-Leitlinien deckst du die Person mit trockenen Decken oder Kleidung zu, schützt sie vor Wind, ersetzt nasse durch trockene Kleidung und legst Decken oder Matten zwischen Person und kalten Boden. Laut DRK führst du einer unterkühlten Person keine aktive Wärme zu, etwa durch Reiben oder eine Wärmflasche, und gibst keinen Alkohol. Bei jeder Unterkühlung wählst du laut DRK 112. Warnzeichen einer schweren Unterkühlung sind verlangsamte Atmung, Muskelstarre, nachlassendes Schmerzempfinden, zunehmende Müdigkeit und Bewusstlosigkeit. Dann unternimmst du keine Aufwärmversuche mehr, deckst die Person zu und prüfst laufend Bewusstsein und Atmung.
Verbrennungen kühlen
Laut DRK entfernst du die Person von der Hitzequelle und kühlst die Verbrennung sofort mindestens 20 Minuten mit kühlem oder kaltem, nicht eisigem Wasser. Brennende Kleidung löschst du laut DRK, indem du die Person mit Wasser übergießt, die Flammen mit einer Decke erstickst oder sie auf dem Boden wälzt. Mit der Haut verkrustete Kleidung ziehst du nicht aus, in die Haut eingebrannte Materialien entfernst du nicht. Du wählst 112. Bei großen Verbrennungen und bei Säuglingen und Kleinkindern kühlst du besonders vorsichtig, damit keine Unterkühlung entsteht. Danach deckst du die Wunde locker und keimfrei ab.
Offene Wunde am Brustkorb
Laut ERC-Leitlinien 2025 bleibt eine offene Brustverletzung frei: kein Verband, keine Abdeckung. Blutungen daneben stillst du bei Bedarf mit direktem Druck. Spezielle belüftete Verbände sind nur für Geschulte vorgesehen.
Schemata wie MARCH: Für Laien gelten die ERC-Leitlinien
MARCH wird laut DocCheck Flexikon bei der Behandlung von Verletzten in besonderen Bedrohungslagen eingesetzt, insbesondere bei der Verwundetenversorgung im Gefecht durch Soldaten als Ersthelfer. Es gehört in eine entsprechende Ausbildung. Im Kapitel Erste Hilfe der ERC-Leitlinien 2025 kommt MARCH nicht vor. Dort achten Ersthelfende zuerst auf die Sicherheit der Umgebung, die Reaktion der Person und lebensbedrohliche Blutungen und nutzen das ABCDE-Schema.
Wir halten für Laien drei Dinge für entscheidend: 112 wählen, starke Blutungen mit Druck stillen, bei fehlender normaler Atmung drücken. Tourniquets, blutstillende Wundauflagen oder Atemwegshilfen gehören nach dem ERC-Grundprinzip nur in geschulte Hände. Wir raten deshalb, zuerst einen Kurs zu machen und erst danach Ausrüstung zu kaufen.
Erste-Hilfe-Material: Die Liste des BBK ist die Grundlage
Das DRK rät, sich mit dem Inhalt der Verbandkästen nach DIN 13164 und DIN 13157 vertraut zu machen. Was davon in den Rucksack gehört, steht in unserer Checkliste zum Notfallrucksack.
| Kategorie | Was | Wozu |
|---|---|---|
| Wundversorgung | Pflaster und Verbandsmaterial, Mullbinden (BBK) | Wunden keimfrei bedecken, Druckverband |
| Verbrennungen | Verbandtuch für Brandwunden (BBK) | Brandwunden locker und keimfrei abdecken |
| Eigenschutz | Einmalhandschuhe (BBK, DRK) | Schutz bei der Versorgung blutender Wunden |
| Werkzeug | Schere, Pinzette (BBK) | Schere: Verband zuschneiden. Fremdkörper in Wunden entfernt laut DRK nur ein Arzt. |
| Medikamente | Persönliche Medikamente, laut BBK bei regelmäßigem Bedarf ein Vorrat für mindestens zehn Tage | Menge und Einnahme nur mit Arzt oder Apotheke klären |
| Nur mit Schulung | Tourniquet | Nur verwenden, wenn du darin geschult bist (ERC) |
Erste-Hilfe-Kurs: Ein Tag beim DRK oder ein Kurs im Auftrag des BBK
Im Kurs lernst du laut BBK-Ratgeber unter anderem, wie du stark blutende Wunden verbindest.
- Rotkreuzkurs Erste Hilfe: Laut DRK-Kursübersicht 1 Tag mit 9 Unterrichtseinheiten, ohne Vorkenntnisse.
- Auffrischen: Liegt dein Kurs länger zurück, bietet das DRK „Fit in Erster Hilfe“ in Modulen von 90 Minuten an.
- Erste Hilfe mit Selbstschutzinhalten (EHSH): Die Hilfsorganisationen ASB, DLRG, DRK, Johanniter und Malteser bieten diese Kurse laut ASB im Auftrag des BBK an. Bei den Maltesern sind die Module kostenlos, Inhalte sind unter anderem der Umgang mit bedrohlichen Blutungen und Improvisation mit Verbandmaterial.
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