Familien-Notfallplan erstellen: Was in den Plan gehört

Ein Familien-Notfallplan nimmt euch Entscheidungen ab, die unter Zeitdruck schwerfallen: Er hält auf einer Seite fest, wo ihr euch trefft, wen ihr anruft oder wie ihr euch ohne Netz verständigt, wo die Dokumente liegen und wer sich um wen kümmert. Warnen die Behörden oder ordnen sie etwas an, gehen ihre Anweisungen jedem eigenen Plan vor.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) nennt als Anlässe, bei denen du schnell aus dem Haus musst, zum Beispiel einen Brand, ein Gasleck oder gefundene Weltkriegsmunition.

Der Plan muss nicht kompliziert sein, aber alle im Haushalt sollten ihn kennen, Kinder so weit, wie es ihrem Alter entspricht.

Aktualisiert : Quellen und Empfehlungen geprüft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Behörden gehen vor: Laut BBK-Ratgeber achtest du auf Warnhinweise und folgst den Empfehlungen und Anweisungen der Behörden. Euer Plan kommt danach.
  • Die Dokumentenmappe liegt laut BBK griffbereit an einem Ort, den alle Familienmitglieder kennen.
  • Eine Liste wichtiger Telefonnummern auf Papier hilft laut BBK-Ratgeber, wenn du nicht an deine digital gespeicherten Kontakte kommst.
  • Für Kinder schlägt das BBK einen Brustbeutel oder eine SOS-Kapsel mit Namen, Geburtsdatum und Anschrift vor.
  • Drei Treffpunkte, eine Kontaktperson außerhalb der Region und eine feste Treffzeit sind eine Empfehlung der Redaktion, keine amtliche Vorgabe.

Familien-Notfallplan: Er legt Entscheidungen fest, bevor Zeitdruck entsteht

Muss es schnell gehen, bleibt laut BBK wenig Zeit zum Packen, und unter Stress an alles zu denken, ist schwer. Das BBK rät deshalb, vorher zu planen. Auf seiner Seite zur Hochwasservorsorge empfiehlt es, sich früh Gedanken über die „Rollenverteilung“ zu machen: Wer macht was im Notfall? Ein Plan beantwortet vorab Fragen wie diese:

  • „Wo treffen wir uns?“ Wenn ihr euch nicht erreicht, braucht jede Person einen Ort, den sie ohne Rückfrage ansteuert.
  • „Wer holt die Kinder?“ Diese Frage sollte nicht erst am Telefon geklärt werden.
  • „Wer hat die Dokumente?“ Wenn niemand weiß, wo die Mappe liegt, fängt die Suche erst im Ernstfall an.

Ob ihr bleibt oder geht, entscheidet in einer großen Gefahrenlage nicht euer Plan, sondern die Lage und die Anweisung der Behörden.

Behörden haben Vorrang: Ihre Warnung und Anweisung gehen eurem Plan vor

Der BBK-Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ (Stand 11/2025) sagt: auf Warnhinweise achten und den Empfehlungen sowie möglichen Anweisungen folgen. Die meisten Informationen erhältst du laut Ratgeber über Warn-Apps und Radio, in besonderen Gefahrenlagen wird zusätzlich über Sirenen und Handys gewarnt. Wie das im Einzelnen funktioniert, steht im Beitrag NINA-App und Sirenen.

Nennen die Behörden einen Sammelpunkt oder eine Route, nimmst du diese, auch wenn euer Plan etwas anderes vorsieht. Eure eigenen Treffpunkte braucht ihr dann vor allem, um die Familie danach wieder zusammenzubringen. Wie du Fluchtwege und Treffpunkte im Detail planst, zeigt der Beitrag Evakuierung planen.

Was in den Plan gehört: Treffpunkte, Kommunikation, Dokumente, Aufgaben und Übung

Treffpunkte festlegen

Der erste Treffpunkt kann unerreichbar sein, etwa weil er selbst im Gefahrengebiet liegt. Deshalb raten wir zu drei Treffpunkten in unterschiedlicher Entfernung (Einteilung der Redaktion, wie im Beitrag zur Evakuierung):

TreffpunktWannBeispiel
Nah (in Sichtweite des Hauses)Feuer, SofortevakuierungNachbarhaus, Parkplatz, Ecke der Straße
Mittel (im eigenen Viertel oder Ort, außerhalb der Gefahrenzone)Kurzfristige EvakuierungSchule, Kirche, öffentliches Gebäude außerhalb der Gefahrenzone
Weit (außerhalb der Region)Großflächige EvakuierungHaus von Verwandten, mit Name, Adresse und Telefonnummer
Schule und KitaNotfall tagsüberAbholregel: Wer holt welches Kind? Wer springt ein, wenn diese Person nicht kann?

Nennen die Behörden einen Sammelpunkt, gilt dieser. Erkundige dich außerdem, wo du dich im Notfall vor Ort informieren kannst: Der BBK-Ratgeber nennt als Beispiele Rathäuser oder Notfalltreffpunkte.

Für Familien mit Kindern: Frag bei Schule und Kita nach, wie sie im Notfall vorgehen und wer euer Kind abholen darf. Die Antworten gehören in euren Plan.

Kommunikation ohne Handynetz

Mobilfunk und Internet können laut BBK-Ratgeber aus verschiedenen Gründen ausfallen, etwa durch einen Stromausfall, einen Sturm, einen Cyberangriff oder Sabotage. Dann kannst du mit dem Handy weder telefonieren noch Nachrichten senden. Absprachen, die ohne Netz funktionieren, sind deshalb der Kern des Kommunikationsplans.

Euer Kommunikationsplan:

  1. Feste Treffzeit (Empfehlung der Redaktion): zum Beispiel „Wenn wir uns nicht erreichen, treffen wir uns um 18:00 Uhr am mittleren Treffpunkt.“ Die Regel gilt, ohne dass ihr euch vorher erreichen müsst.
  2. Kontaktperson außerhalb der Region (Empfehlung der Redaktion): etwa Verwandte in einer anderen Stadt. Wer sich vor Ort nicht erreicht, meldet sich dort, und diese Person gibt die Nachrichten weiter.
  3. Kontaktliste auf Papier: Eine ausgedruckte oder handschriftliche Liste mit wichtigen Nummern hilft laut BBK-Ratgeber, wenn du nicht an deine digital gespeicherten Kontakte kommst.
  4. Radio: Wenn Mobilfunk und Internet ausfallen, fallen laut BBK-Ratgeber auch Warn-Apps aus, Radiosender funktionieren dann aber noch. Auto-, Kurbel- und batteriebetriebene Radios laufen auch bei Stromausfall.
Tipp: Schreib die Nummer der Kontaktperson auf einen Zettel und steck ihn ins Portemonnaie, auch in das deiner Kinder. Ein Handy kann leer, verloren oder ohne Netz sein, ein Zettel funktioniert trotzdem.

Dokumentenmappe zusammenstellen

Laut BBK stellst du alle wichtigen Dokumente in einer Dokumentenmappe zusammen und bewahrst sie griffbereit an einem Ort auf, den alle Familienmitglieder kennen. Das BBK nennt Beispiele und unterscheidet, was im Original, was im Original oder als beglaubigte Kopie und was als einfache Kopie hineingehört:

DokumentIn der Mappe laut BBKHinweis
Geburts-, Heirats-, Sterbeurkunden, StammbuchOriginalFamilienurkunden
Personalausweis, Reisepass, Führerschein, FahrzeugpapiereEinfache KopieAusweis oder Pass im Original nimmst du laut BBK im Ernstfall mit
ImpfpassEinfache KopieDas Original nimmst du laut BBK im Ernstfall mit
Versicherungspolicen, Sparbücher, Verträge, ZeugnisseOriginal oder beglaubigte KopieZahlungsbelege für Versicherungsprämien reichen als einfache Kopie
Testament, Patientenverfügung, VollmachtOriginal oder beglaubigte Kopie
GrundbuchauszügeEinfache Kopie

Ausweis oder Pass, Impfpass und die Gesundheitskarte der Krankenversicherung nimmst du laut BBK im Ernstfall im Original mit.

Der BBK-Ratgeber empfiehlt, die Dokumente in einem feuerfesten oder wasserdichten Behälter zu verwahren, und rät, bei der ausstellenden Stelle nachzufragen, ob ein Dokument im Original oder als beglaubigte Kopie vorliegen muss. Laut BBK ist es außerdem sinnvoll, Kopien wichtiger Dokumente digital zu sichern oder an anderer Stelle zu hinterlegen, etwa bei Verwandten, bei einem Notar oder in einem Bankschließfach. Nimmt jemand in eurem Haushalt regelmäßig Medikamente, gehört ein aktueller Medikamentenplan dazu; der BBK-Ratgeber nennt ihn bei der Vorsorge für Menschen mit Beeinträchtigungen.

Die Mappe gehört zum Notgepäck. Was sonst hineinkommt, steht im Beitrag Notfallrucksack packen, der sich an der BBK-Liste orientiert.

Aufgaben verteilen

Die Frage des BBK „Wer macht was?“ beantwortet ihr am besten in einer Tabelle. Jede Aufgabe hat eine zuständige Person und eine Vertretung.

AufgabeVerantwortliche PersonBackup
Kinder aus dem Haus bringenName 1Name 2
Notgepäck und Dokumentenmappe nehmenName 2Name 1
Haustier und Transportbox mitnehmenName 3Name 1
Hilfebedürftige Angehörige abholen oder unterstützenName 1Name 2
Kontaktperson außerhalb der Region informierenName 1Name 2
Nachbarschaft warnenName 2Name 1

Füllt die Namensfelder mit euren echten Namen aus. Das BBK nennt auf seiner Seite zur Hochwasservorsorge ausdrücklich die Versorgung Kranker oder Hilfebedürftiger (kannst du sie rechtzeitig aus der Gefahrenzone bringen, und wohin?) und die Evakuierung von Haustieren als Punkte, die du früh bedenken solltest. Bei einem Brand gilt laut BBK-Ratgeber: Personen im Haushalt warnen, Gebäude verlassen, niemals durch verrauchte Räume oder Treppenhäuser flüchten (sind die Fluchtwege verraucht, lautstark am Fenster bemerkbar machen), Feuerwehr unter 112 rufen, Nachbarschaft warnen. Geht die Aufgaben einmal gemeinsam durch, als Trockenübung ohne Zeitdruck.

Den Plan mit Kindern besprechen und üben

Ein Plan, den nur die Eltern kennen, hilft den Kindern wenig. Statt einer festen Altersgrenze gilt: Erkläre so viel, wie es dem Alter und dem Kind entspricht.

So bringst du Kindern den Plan bei:

  • Treffpunkt zeigen: Geht den Weg zum nahen Treffpunkt gemeinsam ab („Wo treffen wir uns, wenn wir uns verlieren?“).
  • Notruf 112: Die 112 ist laut DRK europaweit einheitlich und kostenlos, als erste Frage beim Notruf nennt das DRK: Wo ist der Notfall? Übt mit eurem Kind, die eigene Adresse zu sagen.
  • Kärtchen statt Auswendiglernen: Kann ein Kind sich Nummern noch nicht merken, trägt es sie auf einem Zettel bei sich. Für das Notgepäck schlägt das BBK einen Brustbeutel oder eine SOS-Kapsel mit Namen, Geburtsdatum und Anschrift vor.
  • Ältere Kinder einbinden: Sie können den Plan mitgestalten und eine Aufgabe in der Tabelle übernehmen.

Mach daraus kein Drama. Der BBK-Ratgeber rät im Kapitel „Mit Kindern über Krisen sprechen“, Fragen offen und ehrlich zu beantworten, so sachlich, einfach und klar wie möglich, und positive Botschaften zu vermitteln, zum Beispiel „Wir passen auf dich auf.“ oder „Wir sind gut vorbereitet.“ Gespräche über Krisen solltest du einem Kind laut Ratgeber aber nicht aufdrängen.

Einschätzung der Redaktion

Wir halten einen einfachen Plan, den alle im Haushalt kennen, für wertvoller als einen ausgefeilten, der in der Schublade liegt. Drei Treffpunkte, eine Kontaktperson außerhalb der Region und eine feste Treffzeit sind keine amtliche Vorgabe, aber sie geben euch eine Option, wenn ihr euch nicht erreicht oder ein Treffpunkt nicht erreichbar ist. Entscheidend bleibt: Sobald die Behörden warnen oder etwas anordnen, setzt ihr ihre Anweisung um und nutzt euren Plan nur dort, wo sie Spielraum lässt.

Auf Papier: Der Plan passt auf eine Seite und jede Person hat ein Exemplar

Ein Plan, der nur im Kopf existiert, hilft im Ernstfall wenig. Schreib ihn auf, eine DIN-A4-Seite reicht.

Der Plan sollte enthalten:

  1. Drei Treffpunkte mit Adresse und wann ihr sie nutzt (beim nahen Treffpunkt hilft eine Skizze)
  2. Kontaktperson außerhalb der Region (Name, Telefon)
  3. Treffzeit-Regel für den Fall, dass ihr euch nicht erreicht
  4. Abholregel für Kinder (Schule, Kita)
  5. Aufgabenverteilung (wer macht was)
  6. Wo liegt die Dokumentenmappe?
  7. Wo steht das Notgepäck?
  8. Wichtige Rufnummern: Der BBK-Ratgeber nennt unter anderem 112 (Feuerwehr, Rettungsdienst), 110 (Polizei), 115 (Behördenrufnummer) und 116117 (Ärztlicher Bereitschaftsdienst).
  9. Anlaufstellen der Gemeinde, etwa Rathaus oder Notfalltreffpunkt

Gebt jedem Familienmitglied eine Kopie. Eine weitere Kopie kommt ins Notgepäck.

Plan aktuell halten: Einmal im Jahr durchgehen, etwa am bundesweiten Warntag

Wir raten, den Plan einmal im Jahr gemeinsam durchzugehen. Einen festen Anlass bietet der bundesweite Warntag: Er findet laut BBK in der Regel jährlich am zweiten Donnerstag im September statt. 2026 war es der 10. September, der nächste ist für den 9. September 2027 geplant (Stand: September 2026). Prüft dabei, was sich verändert hat:

  • Umzug? Neue Treffpunkte festlegen.
  • Neues Kind, neue Schule? Abholregeln anpassen.
  • Externe Kontaktperson weggezogen? Ersetzen.
  • Neue Telefonnummern? Zettel im Portemonnaie austauschen.

Checkliste: Zehn Fragen, mit denen ihr den Plan prüft

  1. ☐ Drei Treffpunkte festgelegt (nah, mittel, weit) und alle kennen sie?
  2. ☐ Adresse und Telefonnummer für den weiten Treffpunkt notiert?
  3. ☐ Kontaktperson außerhalb der Region benannt?
  4. ☐ Treffzeit-Regel vereinbart?
  5. ☐ Nummer der Kontaktperson auf Papier im Portemonnaie, auch bei den Kindern?
  6. ☐ Abholregel für Kinder mit Schule und Kita geklärt?
  7. ☐ Dokumentenmappe an einem Ort, den alle kennen, in einem feuerfesten oder wasserdichten Behälter?
  8. ☐ Aufgaben verteilt, mit Vertretung?
  9. ☐ Kinder kennen den Plan, so weit es ihrem Alter entspricht?
  10. ☐ Plan schriftlich vorhanden, je ein Exemplar pro Person, und Termin zum jährlichen Durchgehen im Kalender?

Häufige Fragen zum Notfallplan für die Familie

Ab welchem Alter sollten Kinder den Notfallplan kennen?
Statt einer festen Altersgrenze gilt: Erkläre den Plan so weit, wie es dem Alter deines Kindes entspricht, und geh den Weg zum nahen Treffpunkt gemeinsam ab. Kann ein Kind sich Nummern noch nicht merken, trägt es sie auf einem Zettel bei sich; für das Notgepäck schlägt das BBK einen Brustbeutel oder eine SOS-Kapsel mit Namen, Geburtsdatum und Anschrift vor. Fragen beantwortest du laut BBK-Ratgeber offen, ehrlich und so einfach wie möglich.
Was tun, wenn ein Familienmitglied nicht erreichbar ist?
Dann greifen die vorher getroffenen Absprachen: die feste Treffzeit am mittleren Treffpunkt und die Kontaktperson außerhalb der Region, bei der sich alle melden (beides Empfehlungen der Redaktion). Eine Telefonliste auf Papier hilft laut BBK-Ratgeber, wenn du nicht an deine digital gespeicherten Kontakte kommst.
Müssen wir den Notfallplan mit der Schule besprechen?
Frag bei Schule und Kita nach, wie sie im Notfall vorgehen, wer euer Kind abholen darf und wo sich die Kinder sammeln. Die Antworten gehören in euren Plan, zusammen mit der Regel, wer aus eurer Familie das Kind abholt und wer einspringt.
Wo sollten die Notfalldokumente aufbewahrt werden?
In einer Dokumentenmappe, die laut BBK griffbereit an einem Ort liegt, den alle Familienmitglieder kennen. Der BBK-Ratgeber empfiehlt einen feuerfesten oder wasserdichten Behälter. Laut BBK ist es außerdem sinnvoll, Kopien digital zu sichern oder an anderer Stelle zu hinterlegen, etwa bei Verwandten, bei einem Notar oder in einem Bankschließfach.
Brauchen wir wirklich einen Kontakt außerhalb unserer Region?
Er ist eine Empfehlung der Redaktion, keine amtliche Vorgabe. Wer sich vor Ort nicht erreicht, meldet sich bei dieser Person, und sie gibt die Nachrichten weiter. Das hilft aber nur, solange ihr überhaupt telefonieren könnt. Fallen Mobilfunk und Internet aus, kannst du laut BBK-Ratgeber weder telefonieren noch Nachrichten senden. Deshalb gehört zusätzlich eine feste Treffzeit in den Plan.