NINA-App und Sirenen: Das Warnsystem in Deutschland verstehen

Verlass dich bei Warnungen nicht auf einen einzigen Kanal. Die NINA-App braucht laut BBK eine aktive Datenverbindung, bei einem langen Stromausfall rät das BBK zu einem Radio mit Batterien oder Kurbel. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) warnt über viele Wege: Radio, Fernsehen, Warn-Apps, Cell Broadcast, Sirenen, digitale Stadtinformationstafeln und die Internetseite warnung.bund.de. Je mehr Kanäle, desto wahrscheinlicher erreicht eine Warnung die Menschen, so begründet es das BBK.

Damit eine Warnung bei dir ankommt und du richtig reagierst, brauchst du zweierlei: Du kennst die Sirenensignale, und dein Handy ist so eingestellt, dass es Warnungen anzeigt. Beides erklären wir hier nach den Angaben des BBK. Wie du nach einer Warnung weiter vorgehst, steht auch in unserem Beitrag Kriegsfall überleben: Vorbereitung für Zivilisten in Deutschland.

Aktualisiert : Warnsignale, Termine und App-Angaben beim BBK geprüft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut BBK bedeutet ein einminütiger, auf- und abschwellender Heulton der Sirene Warnung, ein einminütiger, gleichbleibender Heulton Entwarnung.
  • Nach einer Warnung informierst du dich laut BBK über Rundfunk, Warn-Apps oder Webseiten über die Art der Gefahr und die Verhaltensempfehlungen.
  • Die Warn-App NINA ist laut BBK kostenfrei, warnt für abonnierte Orte und auf Wunsch für deinen Standort und braucht dafür eine aktive Datenverbindung.
  • Cell Broadcast schickt Warnungen laut BBK seit dem 23. Februar 2023 ohne App aufs Handy, wenn es eingeschaltet und nicht im Flugmodus ist.
  • Der bundesweite Warntag ist laut BBK in der Regel am zweiten Donnerstag im September, der nächste am 9. September 2027 (Stand: September 2026).

NINA-App: Kostenfreie Warnungen für deine Orte und deinen Standort

NINA steht laut BBK für Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes. Auf der BBK-Seite zu Funktionen und Inhalten steht: Die Nutzung der App und der Empfang von Push-Nachrichten sind kostenfrei. Die App gibt es für Android und iOS.

Was NINA laut der Warn-App-Seite des BBK liefert:

  • Warnmeldungen des Bevölkerungsschutzes für unterschiedliche Gefahrenlagen
  • Warnmeldungen der Polizei für besondere polizeiliche Lagen (seit Juli 2025)
  • Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD)
  • Hochwasserinformationen der zuständigen Stellen der Bundesländer
  • Notfalltipps: Handlungsempfehlungen für verschiedene Notfallsituationen und Informationen zur Notfallvorsorge

Laut BBK-Anleitung (Stand: September 2026) abonnierst du Landkreise, Gemeinden oder einen beliebigen Punkt in Deutschland mit einem Umkreis von neun oder einem Quadratkilometer. Einem Umkreis kannst du einen eigenen Namen geben, etwa „Zuhause“. Abonniere mindestens deinen Wohnort und deinen Arbeitsort. Auf Wunsch warnt NINA zusätzlich für deinen aktuellen Standort. Die Standortdaten verarbeitet die App laut BBK nur auf deinem Gerät, sie gehen nicht an das BBK.

NINA einrichten: Orte, Benachrichtigungen, Energiesparen

Die App allein reicht nicht. Damit Warnungen zuverlässig ankommen, prüfst du diese Punkte:

  1. App installieren: Die Store-Links für Android und iOS stehen auf der Warn-App-Seite des BBK.
  2. Orte abonnieren: Wohnort, Arbeitsplatz, Schule oder Kita der Kinder, Wohnort von Angehörigen. Laut BBK-Anleitung (Stand: September 2026) tippst du dazu in der Ansicht „Meine Orte“ auf das Plus-Symbol.
  3. Standortwarnung einschalten: Dann warnt NINA auch unterwegs für den Ort, an dem du gerade bist.
  4. Benachrichtigungen erlauben: In den Einstellungen des Handys müssen Benachrichtigungen, Ton und Vibration für NINA an sein.
  5. Energiesparen prüfen: Für Android rät das BBK auf seiner Seite zu den Android-Einstellungen, den Energiesparmodus für NINA zu deaktivieren und Hintergrunddaten zu aktivieren. Bei Samsung-Geräten stellst du NINA laut derselben BBK-Anleitung (Stand: September 2026) in der Akkuoptimierung auf „nicht optimieren“. Für iPhones gibt es eine eigene BBK-Seite zu den iOS-Einstellungen.
Wichtig: Für Push-Nachrichten braucht dein Smartphone laut BBK eine aktive Datenverbindung. Ohne Datenverbindung kommt über die App also keine Warnung an. Dann hilft ein Radio mit Batterien oder Kurbel, dazu weiter unten mehr.

Sirenensignale: Das BBK nennt zwei Töne, Warnung und Entwarnung

Auf seiner Seite zu Sirenen nennt das BBK genau zwei Signale für die Warnung der Bevölkerung. Ein drittes Signal für „Alarm“ gehört nicht dazu.

SignalTon laut BBKWas du tust
WarnungEinminütiger, auf- und abschwellender HeultonÜber Radio, Warn-App oder Webseiten informieren, was passiert ist und was die Behörden raten
EntwarnungEinminütiger, gleichbleibender HeultonWeitere Hinweise der Behörden in Radio oder Warn-App beachten

Die Sirene sagt dir nur, dass eine Gefahr besteht, nicht welche. Das BBK schreibt, dass sich gewarnte Personen anschließend über weitere Quellen wie Rundfunk, Warn-Apps oder Webseiten genauer über die Art der Gefahr und die Verhaltensempfehlungen informieren können. Ihr Vorteil: Sirenen eignen sich laut BBK grundsätzlich dafür, Menschen sogar im Schlaf zu alarmieren.

Öffentliche Sirenen beschaffen, installieren, betreiben und warten laut BBK die Kommunen. Sie verwenden für andere Ereignisse möglicherweise eigene, zusätzliche Signale, und Sirenen alarmieren auch die Feuerwehren. Welche Signale in deinem Ort zusätzlich gelten, erfährst du bei deiner Gemeinde oder deinem Landkreis.

Was du bei einer Warnung sofort tust

  1. Informieren: Radio einschalten, bei Stromausfall ein Gerät mit Batterien oder Kurbel, die Warn-App öffnen oder warnung.bund.de aufrufen. Dort steht, um welche Gefahr es geht.
  2. Den Anweisungen folgen: Ob du im Haus bleibst, Schutz suchst oder das Gebiet verlässt, entscheidest du nach den Hinweisen der Behörden, nicht nach Gerüchten. Dein eigener Plan hilft dir, diese Hinweise schnell umzusetzen, er ersetzt sie nicht.
  3. Informiert bleiben: Lass Radio oder App an, bis die Entwarnung kommt. Die Lage kann sich ändern.

Wie ein Plan für den Fall aussieht, dass ihr das Haus verlassen müsst, zeigt unser Beitrag Evakuierung planen: Routen und Treffpunkte.

Bundesweiter Warntag: In der Regel einmal im Jahr testest du deine Warnkanäle

Der bundesweite Warntag findet laut BBK-Seite zum Warntag in der Regel jährlich am zweiten Donnerstag im September statt. 2026 war das der 10. September, mit der Probewarnung um 11:00 Uhr und der Entwarnung um 11:45 Uhr. Laut der Ankündigung des BBK war es der sechste bundesweite Warntag. Der nächste ist für den 9. September 2027 geplant (Stand: September 2026).

Getestet werden unter anderem Radio, Fernsehen, Warn-Apps, Cell Broadcast, Sirenen und Lautsprecherwagen. Das BBK will damit prüfen, ob die Technik für die Warnung funktioniert, und Wissen zum Thema Warnung vermitteln. Nutze den Tag für dich:

  • Hörst du eine Sirene? Falls nicht: bei deiner Gemeinde nachfragen, ob und wo es in deinem Ort Sirenen gibt.
  • Kommt die NINA-Meldung? Falls nicht: abonnierte Orte, Benachrichtigungen und Energiespareinstellungen prüfen.
  • Kommt die Cell-Broadcast-Nachricht? Falls nicht: Betriebssystem-Version und Flugmodus prüfen (siehe unten).
  • Weißt du, wo du im Haus Schutz suchst? Hilfe dazu gibt unser Beitrag Schutzraum im Keller einrichten.

Rückmeldungen aus der Bevölkerung nach dem Warntag sind laut BBK wichtig für die Auswertung.

Cell Broadcast: Die Warnung kommt ohne App aufs Handy

Seit dem 23. Februar 2023 gibt es in Deutschland Cell Broadcast. Laut BBK-Seite zu Cell Broadcast ist das ein Mobilfunkdienst, der Warnnachrichten direkt auf Handy oder Smartphone schickt. Du brauchst dafür keine App, keine Registrierung und gibst keine persönlichen Daten an. Jedes Handy bucht sich automatisch in eine Funkzelle ein, und die Funkzelle kann Warnungen an alle dort eingewählten Geräte senden.

Damit die Nachricht ankommt, nennt das BBK diese Voraussetzungen:

  • Das Handy ist eingeschaltet.
  • Es ist nicht im Flugmodus.
  • Smartphones laufen mit Android ab Version 11 oder iOS ab Version 16.1.

Durch die Kombination aus akustischem, visuellem und haptischem Signal (Vibration) ist der Weckeffekt laut BBK deutlich erhöht. Ein erhöhtes Aufkommen an Mobilfunkgesprächen beeinflusst den Empfang laut BBK nicht. Voraussetzung ist eine funktionierende Funkzelle: Fällt das Mobilfunknetz aus, erreicht dich auch Cell Broadcast nicht.

Ohne Strom und Netz: Das Radio mit Batterien oder Kurbel bleibt dein Warnkanal

Strom weg, Internet weg, Mobilfunk gestört: Für diesen Fall rät das BBK auf seiner Seite zum Stromausfall, ein batteriebetriebenes Radio oder ein Kurbelradio bereitzuhalten, damit du bei einem langanhaltenden Stromausfall Mitteilungen der Behörden verfolgen kannst. Akkus von Handy und Laptop hältst du geladen, eine Powerbank oder ein solarbetriebenes Ladegerät kann laut BBK helfen.

WarnkanalVoraussetzungHinweis
Radio mit Batterien oder KurbelGeladene Batterien oder Kurbel, Sender auf EmpfangVom BBK für den Stromausfall empfohlen
SirenenSirene in Hörweite, betrieben von der KommuneSagt nur „Gefahr“, Details kommen über Radio oder App
LautsprecherwagenEinsatz durch die Behörden vor OrtVom BBK als Warnmittel beim Warntag genannt
NachbarschaftBekannte NachbarnEinschätzung der Redaktion: jetzt kennenlernen, nicht erst im Notfall
Einschätzung der Redaktion

Wir halten das Radio mit Batterien oder Kurbel für den wichtigsten Baustein neben der NINA-App. Die App braucht laut BBK eine aktive Datenverbindung, Cell Broadcast ein funktionierendes Mobilfunknetz. Ein Radio mit Batterien oder Kurbel empfängt dagegen auch ohne Strom- und Datennetz. Welches Gerät es ist, spielt eine kleinere Rolle als die Frage, ob es griffbereit liegt und die Batterien voll sind. Das BBK zählt ein batteriebetriebenes Radio mit Reservebatterien auch zum Notgepäck, siehe unsere Checkliste zum Notfallrucksack.

Regionale Unterschiede: Die Sirenen betreibt deine Kommune

Weil die Kommunen die Sirenen betreiben, sieht das Netz von Ort zu Ort anders aus. Auch bei den Apps gibt es mehr als NINA: Das BBK nennt auf seiner Seite „So werden Sie gewarnt“ außerdem BIWAPP, KATWARN und diverse regionale Warn-Apps.

Wir raten: Schau auf der Internetseite deiner Gemeinde oder deines Landkreises nach, ob und wo es Sirenen gibt, welche zusätzlichen Signale verwendet werden und ob eine weitere Warn-App empfohlen wird. Findest du dort nichts, frag bei der Gemeindeverwaltung nach.

Warn-Check: Sieben Punkte für Handy und Zuhause

Diese Liste kannst du heute abarbeiten:

  1. ☐ NINA installiert, Wohnort und weitere Orte abonniert, Standortwarnung eingeschaltet?
  2. ☐ Benachrichtigungen mit Ton und Vibration für NINA erlaubt?
  3. ☐ Energiesparmodus bzw. Akkuoptimierung für NINA ausgeschaltet?
  4. ☐ Handy mit Android ab Version 11 oder iOS ab Version 16.1 für Cell Broadcast?
  5. ☐ Radio mit Batterien oder Kurbel vorhanden, Ersatzbatterien dabei?
  6. ☐ Die zwei Sirenensignale bekannt (Warnung und Entwarnung)?
  7. ☐ Nächsten Warntag im Kalender eingetragen (9. September 2027, Stand: September 2026)?

Welche weiteren Vorräte ins Haus gehören, zeigt unser Beitrag zum Wasservorrat.

Häufige Fragen zu NINA und Sirenen

Was bedeutet der Heulton der Sirene genau?
Ein einminütiger, auf- und abschwellender Heulton bedeutet laut BBK Warnung. Informiere dich dann über Radio, Warn-App oder Webseiten, was passiert ist, und folge den Hinweisen der Behörden. Ein einminütiger, gleichbleibender Heulton bedeutet Entwarnung. Kommunen können für andere Ereignisse eigene, zusätzliche Signale verwenden.
Ist die NINA-App kostenlos?
Ja. Laut BBK sind die Nutzung der App und der Empfang von Push-Nachrichten kostenfrei. Herausgeber ist das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), die App gibt es für Android und iOS.
Funktioniert NINA auch ohne Internet?
Nein. Für Push-Nachrichten braucht dein Smartphone laut BBK eine aktive Datenverbindung. Cell Broadcast kommt ohne App und ohne Internet an, braucht aber das Mobilfunknetz. Für den Stromausfall rät das BBK zu einem batteriebetriebenen Radio oder Kurbelradio.
Welche Warn-Apps nennt das BBK?
Neben NINA, der Warn-App des Bundes, nennt das BBK auf seiner Seite „So werden Sie gewarnt“ BIWAPP, KATWARN und diverse regionale Warn-Apps. Ob deine Kommune zusätzlich eine dieser Apps empfiehlt, erfährst du bei deiner Gemeinde oder deinem Landkreis.
Warum war beim Warntag bei dir keine Sirene zu hören?
Öffentliche Sirenen beschaffen und betreiben laut BBK die Kommunen, das Netz ist also von Ort zu Ort verschieden. Frag bei deiner Gemeinde nach, ob und wo es Sirenen gibt. Rückmeldungen zum Warntag sind laut BBK wichtig für die Auswertung.