Notfallrucksack packen: Die komplette Checkliste

Ein Brand im Haus, ein Gasleck, eine Evakuierung wegen gefundener Weltkriegsmunition: In solchen Lagen musst du deine Wohnung schnell verlassen, und zum Packen bleibt kaum Zeit. Pack deinen Notfallrucksack deshalb vorher, und zwar nach der kurzen Liste des BBK statt nach langen Ausrüstungslisten aus dem Outdoor-Bereich.

Wer seinen Notfallrucksack packen will, braucht keine Profi-Ausrüstung. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) nennt eine kurze Liste, die für die ersten Tage außer Haus reicht.

Aktualisiert : Quellen und Mengenangaben geprüft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Grundregel laut BBK: Für jedes Familienmitglied nimmst du nicht mehr mit, als in einen Rucksack passt.
  • Laut BBK gehören hinein: persönliche Medikamente, Erste-Hilfe-Material, ein batteriebetriebenes Radio mit Reservebatterien, Verpflegung für 2 Tage, eine Wasserflasche, Taschenlampe, Schlafsack oder Decke.
  • Für den Trinkwasservorrat zu Hause rechnet die BBK-Checkliste mit 2 Litern pro Person und Tag; in den Rucksack gehört laut BBK eine gefüllte Wasserflasche.
  • In die Dokumentenmappe kommen laut BBK einfache Kopien von Personalausweis, Reisepass, Führerschein und Impfpass.
  • Der Deutsche Alpenverein rät, schwere Sachen nah am Rücken zu packen und nicht mehr als ein Viertel des eigenen Körpergewichts zu tragen.

Notfallrucksack: Er deckt die ersten Tage außer Haus ab, nicht den Vorrat

Ein Notfallrucksack ist ein fertig gepacktes Gepäckstück, das du im Ernstfall mit einem Griff mitnimmst. Das BBK nennt es Notgepäck. Es soll helfen, die ersten Tage außer Haus zurechtzukommen, etwa in einer Notunterkunft oder bei Bekannten.

Ein Rucksack ist dabei praktischer als ein Koffer, weil du beide Hände frei hast. Die Grundregel des BBK lautet: für jedes Familienmitglied nicht mehr, als in einen Rucksack passt.

Vorher packen: Im Ernstfall bleibt wenig Zeit

Das BBK beschreibt die Lage so: Wer wegen eines Brandes, eines Gaslecks oder gefundener Weltkriegsmunition das Haus verlassen muss, hat nicht mehr viel Zeit zum Packen. Unter Stress an alles zu denken, ist schwer. Deshalb rät das BBK, vorab zu planen.

Das BBK weist auch darauf hin, dass es länger dauern kann, bis du deine Wohnung wieder betreten darfst. Stell den Rucksack an einen Ort, den alle im Haushalt kennen.

Den größeren Rahmen, von der Warnung bis zum Evakuierungsplan, findest du im Artikel Als Zivilist den Kriegsfall überleben.

Schuhe: Wetterfeste Schuhe stehen griffbereit neben dem Rucksack

Das BBK nennt für das Notgepäck ausdrücklich wetterfeste Schuhe oder Gummistiefel, die Checkliste des BBK spricht von festen Schuhen. Wer nachts oder im Winter das Haus verlassen muss, steht ohne sie schlecht da.

Stell deshalb ein Paar feste Schuhe direkt neben den Rucksack, oder schnall sie außen an. Leichte Badeschuhe im Rucksack ersetzen keine festen Schuhe.

Notfallrucksack packen: Die Checkliste folgt der BBK-Liste

Die folgende Checkliste orientiert sich an der Liste „Das gehört in den Notfallrucksack“ des BBK und an der BBK-Checkliste zur Notfallvorsorge. Sie ist für eine Person gedacht. Punkte mit dem Zusatz „(BBK)“ stehen auf der BBK-Liste. Alle übrigen Punkte sind Ergänzungen der Redaktion.

1. Wasser und Nahrung

GegenstandMengeHinweis
Trinkwassermindestens eine gefüllte Wasserflasche (BBK)Die BBK-Checkliste nennt eine wiederbefüllbare Trinkflasche. Die 2 Liter pro Person und Tag der BBK-Checkliste gelten für den Vorrat zu Hause.
Wasserfilter oder Entkeimungstablettenoptional (Ergänzung)Nicht auf der BBK-Liste. Nur nach Gebrauchsanweisung des Herstellers verwenden.
Haltbare LebensmittelVerpflegung für 2 Tage (BBK)Staubdicht verpackt (BBK). Geeignet sind zum Beispiel Riegel oder Nüsse.
Essgeschirr, Besteck, Dosenöffner, Taschenmesserje 1 (BBK)Stehen so auf der BBK-Liste für den Notfallrucksack

Wie du den Wasservorrat zu Hause anlegst und lagerst, steht im Artikel Wasservorrat anlegen und lagern.

2. Dokumente und Bargeld

  • Dokumentenmappe: Laut BBK reichen von Personalausweis, Reisepass, Führerschein, Fahrzeugpapieren und Impfpass einfache Kopien. Familienurkunden wie Geburts- und Heiratsurkunden gehören im Original hinein. Eine wasserdichte Hülle schützt die Mappe.
  • Im Ernstfall mitnehmen (laut BBK): Personalausweis oder Reisepass, Bargeld und Geldkarten, Gesundheitskarte, Impfpass, Haustürschlüssel (gegebenenfalls Autoschlüssel) und Handy. Diese Dinge brauchst du im Alltag und packst sie deshalb erst beim Verlassen ein.
  • Bargeld in kleinen Scheinen: Bei einem Stromausfall funktionieren laut BBK auch die Geldautomaten nicht mehr.
  • Liste wichtiger Telefonnummern auf Papier: steht so auf der BBK-Checkliste.
  • USB-Stick mit verschlüsselten digitalen Kopien, denn das BBK rät, Kopien digital zu sichern.

3. Erste Hilfe und Medikamente

  • Erste-Hilfe-Material (BBK): Pflaster und Verbandsmaterial, Verbandtuch für Brandwunden, Einmalhandschuhe, Schere, Pinzette, Wunddesinfektionsmittel. (aus der BBK-Liste für die Hausapotheke)
  • Persönliche Medikamente (BBK). Welche Menge du vorhältst und wie du sie lagerst, klärst du mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder der Apotheke.
  • Schmerz- und fiebersenkende Mittel, die du kennst und verträgst. Einnahme nur nach Packungsbeilage oder ärztlicher Rücksprache.
  • Rettungsdecke (Ergänzung, nicht auf der BBK-Liste)
  • Ersatz für Hilfsmittel wie Brille oder Hörgerät (BBK-Checkliste)

Erste-Hilfe-Material hilft nur, wenn du es anwenden kannst. Wir raten zu einem Erste-Hilfe-Kurs, zum Beispiel beim DRK. Bei Lebensgefahr, etwa bei starken Blutungen oder Atemstillstand, wählst du laut DRK sofort den Notruf 112.

4. Kommunikation: Radio statt nur Smartphone

Bei einem Stromausfall sind laut BBK Internet und Mobilfunk gestört. Ein Smartphone allein reicht dann nicht.

  • Batteriebetriebenes Radio mit Reservebatterien oder Kurbelradio: Damit verfolgst du laut BBK bei einem langen Stromausfall die Mitteilungen der Behörden.
  • Geladene Powerbank (BBK-Checkliste), alternativ ein Solarladegerät (BBK)
  • Handy oder Smartphone mit installierter Warn-App wie NINA (BBK-Checkliste)
  • Funkgeräte (Ergänzung): nur sinnvoll, wenn alle in der Familie ein passendes Gerät haben und den Umgang geübt haben

5. Kleidung und Schuhe

  • Kleidung für ein paar Tage nach dem Zwiebelprinzip (BBK), also mehrere Schichten
  • Wechselunterwäsche und Socken
  • Wetterschutz wie Regenjacke oder Regenmantel (BBK); ein Regenponcho schützt zusätzlich den Rucksack
  • Wetterfeste Schuhe oder Gummistiefel (BBK), griffbereit neben dem Rucksack
  • Kopfbedeckung und Arbeitshandschuhe (BBK), dazu Sonnencreme (BBK-Checkliste)

6. Werkzeug und Licht

  • Taschenlampe mit Reservebatterien (BBK), alternativ eine Stirnlampe
  • Taschenmesser (BBK) oder Multitool
  • Feuerzeug oder Streichhölzer (BBK-Checkliste)
  • Schlafsack oder Decke (BBK)
  • Atemschutzmaske FFP2, laut BBK zum Schutz vor Viren, Bakterien und gefährlichen Stoffen in der Luft
  • Stabile Schnur und eine Signalpfeife (Ergänzung, nicht auf der BBK-Liste)

7. Hygiene und Notizen

  • Hygieneartikel für ein paar Tage (BBK), zum Beispiel Artikel für Monatshygiene oder Windeln
  • Zahnbürste und kleine Zahnpasta
  • Feuchttücher und Toilettenpapier
  • Notizblock und Stift (BBK-Checkliste)

Weglassen: Was nicht in einen Rucksack passt, bleibt zu Hause

Die Grundregel des BBK setzt die Grenze: ein Rucksack pro Person. Deshalb gilt:

  • Konserven ohne Öffner: nutzlos, wenn der Dosenöffner fehlt.
  • Zu viel Kleidung: Das BBK nennt Kleidung für ein paar Tage, nicht für Wochen.
  • Luxusgüter: Tablets und Ähnliches brauchen Platz und Strom.
  • Unbekannte Ausrüstung: Pack nichts ein, das du nicht kennst und nicht bedienen kannst.

Richtig packen: Schweres gehört nah an den Rücken

Für Wanderrucksäcke empfiehlt der Deutsche Alpenverein eine Aufteilung, die sich auf das Notgepäck übertragen lässt:

  1. Unten: Dinge, die du selten brauchst, etwa Schlafsack oder Decke.
  2. Nah am Rücken, etwa auf Schulterhöhe: das Schwere, also Wasser und Lebensmittel.
  3. Oben: Erste-Hilfe-Material und Regenschutz, damit du schnell herankommst.
  4. Deckelfach und Seitentaschen: Kleinteile wie Taschenmesser, Taschenlampe, Bargeld und Schlüssel.

Größe und Gewicht: Der Alpenverein nennt ein Viertel des Körpergewichts als Obergrenze

Maximales Gewicht: Der Deutsche Alpenverein rät, dass ein Rucksack aus Gesundheits- und Sicherheitsgründen nicht mehr als ein Viertel des eigenen Körpergewichts wiegen sollte. Das ist eine Obergrenze, kein Zielwert.

Eine feste Literzahl nennt das BBK nicht. Maßstab ist seine Grundregel: Alles muss in einen Rucksack passen, und du musst ihn allein aufsetzen und tragen können. Probier das nach dem Packen einmal aus.

Einschätzung der Redaktion

Wir halten die BBK-Liste für die bessere Grundlage als lange Ausrüstungslisten aus dem Outdoor-Bereich. Sie ist darauf ausgelegt, ein paar Tage in einer Notunterkunft oder bei Bekannten zu überbrücken, nicht auf einen Marsch durch die Wildnis. Pack zuerst die BBK-Punkte vollständig, ergänze erst danach, und zähl die Schuhe zur Grundausstattung.

Häufige Fragen zum Notfallrucksack

Für wie viele Tage sollte ein Notfallrucksack ausgelegt sein?
Das BBK nennt für den Notfallrucksack Verpflegung für 2 Tage; das Notgepäck soll helfen, die ersten Tage außer Haus zurechtzukommen. Für längere Krisen ist der Vorrat zu Hause gedacht: Die BBK-Checkliste plant Trinkwasser und haltbare Lebensmittel für bis zu 10 Tage. Mehr dazu im Artikel Lebensmittelvorrat für 10 Tage.
Was ist das Wichtigste im Notfallrucksack?
Die BBK-Liste beginnt mit persönlichen Medikamenten, Erste-Hilfe-Material, einem batteriebetriebenen Radio mit Reservebatterien, Verpflegung für 2 Tage und einer Wasserflasche. Dazu kommen laut BBK die Dokumentenmappe sowie im Ernstfall Ausweis, Bargeld, Gesundheitskarte und Handy. Feste, wetterfeste Schuhe gehören ebenfalls dazu.
Wie schwer darf ein Notfallrucksack sein?
Ein Höchstgewicht nennt das BBK nicht, nur die Grundregel: ein Rucksack pro Person. Der Deutsche Alpenverein rät, nicht mehr als ein Viertel des eigenen Körpergewichts zu tragen. Wir raten, deutlich darunter zu bleiben, damit du den Rucksack auch über einen längeren Weg tragen kannst.
Braucht jede Person in der Familie einen eigenen Rucksack?
Das BBK plant für jedes Familienmitglied einen Rucksack. Kinder bekommen laut BBK zusätzlich einen Brustbeutel oder eine SOS-Kapsel mit Namen, Geburtsdatum und Anschrift. Wie viel ein Kind selbst tragen kann, hängt von Alter und Kraft ab. Mehr im Artikel zum Familien-Notfallplan.
Wie oft solltest du den Notfallrucksack prüfen?
Eine feste Frist nennt das BBK nicht. Wir raten zu einem festen Termin zweimal im Jahr, zum Beispiel bei der Zeitumstellung im März und Oktober: Wasser austauschen, Batterien prüfen, Medikamente auf Ablaufdaten kontrollieren, Kleidung an die Jahreszeit anpassen.