Wasservorrat anlegen und lagern: Mengen, Behälter und Aufbereitung

Wasserwerke brauchen Strom. Fällt er länger aus, kann auch das Leitungswasser ausbleiben, und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) nennt Trinkwasser ausdrücklich wichtiger als Essen. Wer einen Wasservorrat anlegen will, braucht deshalb drei Dinge: die richtige Menge, geeignete Behälter und einen passenden Lagerort.

Dieser Ratgeber fasst zusammen, was Behörden dazu empfehlen: wie viel Wasser pro Person und Tag sinnvoll ist, wie du Leitungswasser und Mineralwasser lagerst, wann du den Vorrat wechselst und wie du im Notfall Wasser aus anderen Quellen aufbereitest. Der Wasservorrat gehört zum Lebensmittelvorrat für 10 Tage dazu, den das BBK als Ziel nennt.

Aktualisiert : Quellen und Mengenangaben geprüft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das BBK empfiehlt idealerweise 2 Liter Wasser pro Person und Tag, davon 0,5 Liter zum Kochen.
  • Vorrat laut BBK für möglichst 10 Tage, zumindest für 3 Tage: für eine Person also 20 bzw. 6 Liter.
  • Selbst abgefülltes Leitungswasser in lebensmittelechten, sauberen Behältern kühl und dunkel lagern und laut US-Gesundheitsbehörde CDC alle 6 Monate wechseln.
  • Gegen Keime wirkt laut CDC Abkochen am besten: Tragbare Filter entfernen keine Viren, Chlortabletten töten nicht zuverlässig alle Parasiten. Keine der Methoden entfernt Chemikalien oder Treibstoff.

Wasservorrat anlegen: laut BBK 2 Liter pro Person und Tag für 10 Tage

Das BBK rechnet so: Ein erwachsener Mensch braucht mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit am Tag. Wer kochen möchte, plant 0,5 Liter Wasser zusätzlich ein. Daraus ergibt sich der Richtwert von 2 Litern pro Person und Tag. Laut dem BBK-Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ brauchen 3 Personen damit 60 Liter für 10 Tage. Denk dabei auch an deine Haustiere.

Wasser zum Waschen und Zähneputzen ist in den 2 Litern nicht enthalten. Die US-Gesundheitsbehörde CDC rechnet deshalb mit 1 Gallone (rund 3,8 Liter) pro Person und Tag für Trinken, Kochen und Zähneputzen. Die rechte Spalte unten rundet diesen Wert auf 4 Liter auf.

Für den 10-Tage-Vorrat bedeutet das:

HaushaltsgrößeBBK-Richtwert (2 L/Tag)Mit Zähneputzen, nach CDC (rund 4 L/Tag)
1 Person20 Liter40 Liter
2 Personen40 Liter80 Liter
4 Personen80 Liter160 Liter
+ Haustier (Hund/Katze)nach Tierart und Größe zusätzlich (BBK: Haustiere mitdenken)nach Tierart und Größe zusätzlich (CDC: extra Wasser für Haustiere)

Wer nicht sofort mit dem vollen 10-Tage-Vorrat starten will: Laut BBK hilft auch ein Vorrat für zumindest 3 Tage schon sehr, und du kannst ihn schrittweise aufbauen. Für eine Person sind das nach dem BBK-Richtwert 6 Liter.

Behälter: Die CDC empfiehlt lebensmittelechte Kanister mit dichtem Verschluss

Nicht jeder Behälter ist zum Lagern von Trinkwasser geeignet. Die CDC rät zu Behältern, die für Lebensmittel zugelassen sind, weil diese keine giftigen Stoffe an das Wasser abgeben.

Lebensmittelechte Kanister: laut CDC geeignet

Für selbst abgefülltes Leitungswasser eignen sich lebensmittelechte Kanister aus Kunststoff, zum Beispiel aus HDPE (Polyethylen hoher Dichte, erkennbar am Recycling-Symbol 2 oder dem Aufdruck „HDPE“). Achte auf die Kennzeichnung als lebensmittelecht (Glas-und-Gabel-Symbol). Solche Kanister:

  • Sind für den Kontakt mit Lebensmitteln zugelassen
  • Haben einen dicht schließenden Deckel
  • Sind stapelbar und robust
  • Gibt es in Größen von 5, 10 und 20 Litern
  • Lassen sich nach gründlicher Reinigung wieder befüllen

Wir raten zu 10-Liter-Kanistern. Ein voller 20-Liter-Kanister wiegt rund 20 Kilogramm und ist entsprechend schwer zu tragen, etwa auf der Kellertreppe.

Was du vermeiden solltest

  • Leere PET-Einwegflaschen zum Wiederbefüllen: Gekauftes Mineralwasser in PET lässt sich bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum lagern (siehe unten). Zum Selbstabfüllen sind Kanister mit weiter Öffnung besser, weil du sie gründlicher reinigen kannst. Das BfR betont, dass Wasserflaschen regelmäßig und gründlich gereinigt werden müssen.
  • Milch- oder Saftbehälter: Reste von Milch oder Saft lassen sich schwer vollständig entfernen. Nimm lieber einen neuen, lebensmittelechten Kanister.
  • Behälter, in denen Chemikalien waren: Kanister von Reinigern, Pflanzenschutzmitteln oder Treibstoff nie für Trinkwasser nehmen, davor warnt auch die CDC
  • Behälter ohne Verschluss: Offene Eimer sind für Trinkwasser keine Lösung
  • Behälter aus unbekanntem Kunststoff: Fehlt die Kennzeichnung als lebensmittelecht, nimm einen anderen

Was mit Glasflaschen?

Mineralwasser in Glasflaschen hält laut dem Bundesportal Ernährungsvorsorge mehrere Jahre bei unverändertem Geschmack. Der Nachteil: Glas ist schwer und zerbrechlich. Die CDC rät für selbst abgefülltes Wasser zu Behältern aus unzerbrechlichem Material, nicht aus Glas. Für kleine Mengen ist gekauftes Wasser in Glasflaschen eine sinnvolle Ergänzung.

Lagerort: Kühl, dunkel und fern von Chemikalien

Der Lagerort entscheidet mit darüber, wie lange dein Wasser gut bleibt. Laut Ernährungsvorsorge lagerst du Wasser am besten an einem dunklen, kühlen und trockenen Ort, weil Sonne und Hitze die Qualität beeinträchtigen.

Gute Lagerbedingungen:

  • Kühl: Die CDC nennt 10 bis 21 °C (50 bis 70 °F). Geeignet sind Keller oder Abstellraum.
  • Dunkel: Kein direktes Sonnenlicht. Aus PET-Flaschen kann bei Sonne oder Hitze laut Ernährungsvorsorge Acetaldehyd ins Wasser übergehen, der den Geschmack verändert, gesundheitlich aber unbedenklich ist.
  • Entfernt von Chemikalien: Die CDC rät, Wasservorräte nicht neben Benzin oder Pflanzenschutzmitteln zu lagern. Halte auch Abstand zu Reinigungsmitteln und Farben.
  • Trocken: Steht der Keller feucht, hält eine einfache Holzpalette die Kanister vom Boden fern.

Vorrat wechseln: Die CDC rät, selbst abgefülltes Wasser alle 6 Monate zu erneuern

Für selbst abgefülltes Leitungswasser gibt es in Deutschland keine feste Haltbarkeitsangabe. Das BfR schreibt nur, dass es sich einige Zeit lagern lässt, wenn es hygienisch abgefüllt, verschlossen und gekühlt aufbewahrt wird. Die CDC rät, selbst abgefülltes Wasser alle 6 Monate zu ersetzen. An diesem Rhythmus orientiert sich auch dieser Ratgeber.

Bei gekauftem Mineralwasser gilt das Mindesthaltbarkeitsdatum. Laut Ernährungsvorsorge geben die Hersteller für Glasflaschen in der Regel zwei Jahre an, für PET-Flaschen ein Jahr, weil Kohlensäure durch PET leichter entweicht.

Das alte Wasser einfach weiterverwenden:

  • Blumen und Gemüsegarten gießen
  • Wäsche waschen
  • Auto abspülen
  • Toilette spülen
  • Zum Kochen verwenden (Nudelwasser, Tee)

Diese Nutzungen passen zu Wasser, dessen Wechsel ansteht: Beim Kochen wird es ohnehin erhitzt, für Garten, Wäsche und Toilette brauchst du keine Trinkwasserqualität.

Praktischer Tipp zur Erinnerung: Datum der Befüllung mit Permanentmarker direkt auf den Kanister schreiben. So siehst du auf einen Blick, wann der Wechsel fällig ist.

Notfall-Aufbereitung: Abkochen tötet Keime, entfernt aber keine Chemikalien

Ist der Vorrat aufgebraucht, bleibt Wasser aus anderen Quellen. Die CDC fasst es in ihrer Anleitung zur Wasseraufbereitung im Notfall klar zusammen: Wasser, das Treibstoff, giftige Chemikalien oder radioaktive Stoffe enthält, lässt sich weder durch Abkochen noch durch Desinfektion trinkbar machen.

Tragbare Wasserfilter: Gut gegen Bakterien und Parasiten, nicht gegen Viren

Ein tragbarer Wasserfilter passt in den Notfallrucksack und hält je nach Porengröße Bakterien und Parasiten aus Bach- oder Flusswasser zurück. Welche Keime ein Modell entfernt und wie viele Liter es schafft, steht in der Herstellerangabe.

Wichtig: Tragbare Filter entfernen laut CDC keine Viren, und keine Methode aus diesem Abschnitt entfernt chemische Schadstoffe. Gegen Viren hilft zusätzlich Abkochen oder Desinfektion. Wasser, das nach Treibstoff oder Chemikalien riecht, das ölig schimmert oder nahe an Industrieanlagen entnommen wurde, trinkst du nicht, auch nicht gefiltert oder abgekocht.

Weitere Wasserquellen im Ernstfall

  • Warmwasserspeicher: Ein Warmwasserspeicher im Haus enthält je nach Größe noch Wasser, wenn die Leitung ausfällt. Wir raten, es nur abgekocht zu trinken. Wasser aus Heizkörpern oder dem Heizkessel der Heizungsanlage dagegen laut CDC nie zum Trinken, Kochen oder für die Körperpflege verwenden.
  • WC-Spülkasten: Das Wasser im Spülkasten (nicht in der Schüssel) taugt als Brauchwasser, etwa zum Händewaschen. Zum Trinken ist es nicht vorgesehen, erst recht nicht mit Reinigertabs im Kasten.
  • Regenwasser: Über Dachrinnen aufgefangenes Wasser kann Stoffe vom Dach und aus der Rinne enthalten. Nutze es als Brauchwasser. Abkochen tötet Keime, ein Filter hält einen Teil davon zurück, aber keines von beiden entfernt Chemikalien.
  • Fließendes Gewässer: Nur klares Wasser nehmen, mit Filter aufbereiten und danach abkochen. Die CDC nennt 1 Minute sprudelndes Kochen.
  • Leitungswasser bei Abkochgebot: Das Gesundheitsamt Würzburg nennt zum Beispiel: einmal sprudelnd aufkochen und dann langsam über etwa zehn Minuten abkühlen lassen. Maßgeblich ist immer die Anweisung deines Gesundheitsamts.

Desinfektionstabletten: Nur nach Packungsangabe

Tabletten oder Tropfen mit Chlor oder Chlordioxid töten laut CDC Viren und Bakterien. Gegen Parasiten wie Giardia und Cryptosporidium wirken sie schlechter als Abkochen. Dosierung und Einwirkzeit stehen auf der Packung, und die CDC rät, sich genau daran zu halten. Chlordioxid wirkt laut CDC bei richtiger Anwendung auch gegen Cryptosporidium, Chlor- und Jodtabletten dagegen nicht. Ob ein Präparat Wasser desinfiziert oder nur bereits sauberes Wasser haltbar machen soll, steht ebenfalls auf der Packung: Lies sie vor dem Kauf. Tabletten entfernen keine Chemikalien, keine Trübung und keinen Treibstoff.

Grundausstattung: Kanister für den Vorrat, Filter und Tabletten als Reserve

Für einen Wasservorrat brauchst du keine teure Spezialausrüstung. Diese Teile reichen für den Anfang:

AusstattungWozu
Lebensmittelechte 10-L-KanisterSelbst abgefülltes Leitungswasser, laut CDC alle 6 Monate wechseln
Tragbarer WasserfilterBakterien und Parasiten aus Bach- oder Flusswasser, laut CDC keine Viren
DesinfektionstablettenViren und Bakterien abtöten, gegen Parasiten laut CDC schwächer als Abkochen; Dosierung und Einwirkzeit nach Packungsangabe
Mineralwasser in FlaschenErgänzung ohne Abfüllen, Mindesthaltbarkeitsdatum beachten

Die laufenden Kosten sind gering: Der Vorrat aus Leitungswasser wird alle 6 Monate aufgebraucht und neu befüllt.

Einschätzung der Redaktion

Die 2 Liter des BBK decken Trinken und Kochen, aber nicht Waschen und Zähneputzen. Wer den Platz hat, plant für die Hygiene zusätzlich Brauchwasser ein, etwa in weiteren Kanistern, die nicht Trinkwasserqualität haben müssen. Wir empfehlen die Reihenfolge: zuerst der Trinkwasservorrat nach BBK-Richtwert, danach die Hygienereserve. Filter und Tabletten sind eine Ergänzung für den Fall, dass der Vorrat nicht reicht, kein Ersatz für ihn.

Wie der Wasservorrat in die übrige Vorsorge passt, von der Warnung bis zur Evakuierung, steht in unserem Artikel Als Zivilist den Kriegsfall überleben.

Häufige Fragen zum Wasservorrat

Wie viel Wasser sollte man pro Person lagern?
Das BBK empfiehlt idealerweise 2 Liter pro Person und Tag: 1,5 Liter zum Trinken und 0,5 Liter zum Kochen. Für einen 10-Tage-Vorrat braucht eine Person damit 20 Liter. Wasser für Waschen und Zähneputzen ist darin nicht enthalten. Die US-Gesundheitsbehörde CDC rechnet mit rund 3,8 Litern pro Person und Tag inklusive Zähneputzen, aufgerundet 40 Liter für 10 Tage.
Wie lange ist abgefülltes Leitungswasser haltbar?
Eine feste Haltbarkeitsangabe gibt es in Deutschland nicht. Das BfR schreibt, dass hygienisch abgefülltes, verschlossen und gekühlt aufbewahrtes Leitungswasser einige Zeit gelagert werden kann. Die CDC rät, selbst abgefülltes Wasser alle 6 Monate zu ersetzen. Das alte Wasser kannst du zum Kochen, Gießen oder für die Wäsche aufbrauchen.
Sind normale PET-Flaschen für den Wasservorrat geeignet?
Gekauftes Mineralwasser in PET-Flaschen ist bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum lagerfähig, laut Ernährungsvorsorge geben die Hersteller dafür in der Regel ein Jahr an. Zum Selbstabfüllen von Leitungswasser eignen sich lebensmittelechte Kanister mit weiter Öffnung besser, weil du sie gründlich reinigen kannst.
Was tun, wenn der Wasservorrat aufgebraucht ist?
Ein Warmwasserspeicher im Haus kann noch Wasser enthalten. Wir raten, es nur abgekocht zu trinken. Wasser aus der Heizungsanlage nie verwenden (CDC). Klares Bach- oder Flusswasser filtern und danach sprudelnd abkochen, die CDC nennt 1 Minute. Desinfektionstabletten nur nach Packungsangabe dosieren; Chlortabletten töten laut CDC nicht zuverlässig alle Parasiten, nur Chlordioxid wirkt bei richtiger Anwendung auch gegen Cryptosporidium. Keine dieser Methoden entfernt Chemikalien oder Treibstoff: Solches Wasser trinkst du nicht.
Wo lagert man den Wasservorrat am besten?
Kühl, dunkel und trocken, empfiehlt das Portal Ernährungsvorsorge. Die CDC nennt 10 bis 21 °C und rät, Wasser nicht neben Benzin oder Pflanzenschutzmitteln zu lagern. Geeignet sind etwa Keller oder Abstellraum. Bei feuchtem Boden hilft eine Holzpalette als Unterlage.